Der Schüler

Der Begriff Schüler kommt von der Schule. Von Montag bis Freitag, außer den Ferien und wenn er einmal krank ist, muss der Schüler in die Schule. Er bekommt ein "r" und zwei Pünktchen zur Schule dazu und am ersten Tag eine Schultüte. Wenn der Schüler ein Mädchen ist, bekommt sie obendrein ein "i" und ein "n" und damit hat sichs.
 
Paul ist Schüler. Es ist Dienstag. Paul liegt in seinem Bett und schaut auf den Wecker. Wenn der Zeiger sich weiter so stur dreht, dann klingelt der Wecker in zwei Stunden. Dann kommt die Mutter in Pauls Zimmer und zieht den Rolladen hinauf und sagt, dass es Zeit ist aufzustehen und dass der gute Vater schon aus dem Haus ist, und dass die Milch kalt wird wenn er sich nicht beeilt. Paul hat in einem Film einmal einen Wasserfall in den Schweizer Alpen gesehen. Paul muß immer an diesen Wasserfall denken wenn die Mutter am Morgen so viel spricht.

Paul steht auf und geht ins Bad. Er hört die Mutter durch die Tür. Durch die Tür müssen sich die Wörter quetschen und ergeben ein Geräusch. Paul isst. Die Mutter redet. Paul wundert sich, wieviel die Mutter reden kann. Paul zieht sich seine Schuhe an, Jacke und Mütze. Die Mutter redet. Dann nimmt Paul seine Schultasche auf den Rücken und geht seinen Schulweg. Der Schulweg führt zur Schule. So ist das.
 
Im Kopf hallen Paul die Wörter der Mutter. An manchen Stellen kann Paul den Schulweg schon auswendig. Da schaut er dann in die Luft. Ein Flugzeug fliegt im Himmel. Wenn ich in Afrika in die Schule ginge, müsste ich mit dem Flugzeug fliegen, denkt sich Paul. Um 8 Uhr klingelt es in der Schule. Obwohl es in der Schule klingelt, nennt man es in der Schule Gong. Der Lehrer kommt herein. Er macht den Mund auf und ein Schwall Vornamen schwappen ihm heraus. Als der Lehrer "Paul" sagt, sagt Paul "ja". Der Lehrer macht einen Haken in sein Buch. Dann redet der Lehrer. Paul ist froh, daß die Wörter unsichtbar sind, die der Lehrer spricht. Wenn die Wörter beispielsweise beige wären, hätte jeder Schüler eine Brille mit Scheibenwischern auf der Nase, damit er etwas sieht.

Wenn der Lehrer eine Frage gestellt hat, schweigt er und schaut Schüler und Schülerinnen an. Paul überlegt. In Pauls Kopf ist alles voll mit Wörtern. Dicht drängeln sie sich aneinander. Pauls Wörter kommen in dem Durcheinander nicht bis zum Mund. Er schweigt. Paul hofft, der Lehrer könnte seine Gedanken lesen. Dann bekäme er vielleicht eine gute Mitarbeitsnote. Aber oft denke ich vielleicht auch etwas verkehrtes, oh weh, denkt Paul in seinem Bett am Dienstag. An der Wand hängt der Stundenplan. In kleinen Kästchen stehen unter jedem Tag die Schulfächer. Mit jedem Ticken des Zeigers zieht es Paul näher in den Stundenplan hinein. Saugt ihn den Schulweg entlang in die Schule durch die Schultür auf den Schulstuhl vor dem Schultisch. Und dann reden sie ihn randvoll und dann spuckt man ihn am Mittag wieder aus und dann muss er alles wiederkäuen bis aus seinen Schulwörtern seine Wörter geworden sind.

Paul sieht den ganzen Dienstag vor sich. Paul sieht die ganze Woche vor sich. Paul macht die Augen wieder zu. Paul träumt er wäre ein Fisch und küsst eine schöne schillernde Goldfischfrau. Da klingelt der Wecker. Da kommt die Mutter zur Tür herein.