| Die Hupe |
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Die Hupe habe ich von meiner Schwester zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ich freute mich sehr über die Hupe. Als ich die Hupe aus dem Geschenkpapier ausgewickelt hatte, hupte ich damals sofort los. Schon beim ersten Hupen wusste ich genau, dass mir das Hupen sehr lag. Ich meine, ich brauchte keine Vorlaufszeit, um das Hupen für mich zu entdecken. Ich hupte einfach drauflos. Schon nach dem ersten Mal Hupen stand für mich fest, dass Hupen einfach optimal war. Es war mein Geburtstag und ich hupte was das Zeug hielt. Was ich sagen wollte: ich hupte an diesem Tag so oft bis mein Vater sagte: "Jetzt reicht es aber mit der Huperei". Und meine Mutter sagte: "Du kannst morgen wieder hupen!" Ich ging in mein Bett und legte die Hupe auf meinen Nachttisch. So hatte ich die Hupe griffbereit. Wenn ich am nächsten morgen aufwachen würde könnte ich sofort hupen. Soviel steht jedenfalls fest: Ich musste mich damals noch nicht rasieren und ich fuhr noch zusammen mit meinen Eltern in den Urlaub. Aus diesen Urlauben schrieb ich dann Karten, auf denen z.B. stand: Die Hupeuphorie dürfte mit der Zeit allmählich nachgelassen haben. Ich hupte nur noch gelegentlich. Grob geschätzt würde ich sagen, dass mein anfängliches Hupen von etwa siebzig mal täglich über die Monate hinweg sich auf 3 bis 5 Mal unregelmäßiges Hupen einpendelte. Das ist ein ungefährer Schätzwert. Ich möchte mich da nicht hundertprozentig festlegen. Ich kannte die Gefahr. Ich stand in meinem Zimmer und blickte mich um und musste mich schnell entscheiden. Was konnte ich nur tun? Da erblickte ich im Regal die Hupe, die mir meine Schwester zum Geburtstag geschenkt hatte. Mein Beschluss stand sofort fest: Ich würde erst einmal hupen. Hupen war eine gute Idee. Ich würde erst einmal hupen und danach weitersehen. Um meine Eltern nicht zu wecken, fasste ich den Plan, aus dem Fenster hinauszuhupen. Ich nahm die Hupe aus dem Regal, öffnete das Fenster und hupte freien Herzens in den heißen, sonnigen Sonntagnachmittag hinein. Ich verfolgte damit keinerlei Zweck. Ich wollte mit meinem Hupen nicht die bestehenden Verhältnisse kritisieren oder irgendjemand wachrütteln. Es war ein geradezu absichtloses und naives Hupen. Ich hupte um des Hupens willen. Ich hupte einfach und vergnügt zum Fenster hinaus. Ich hatte der Langeweile ein Schnippchen geschlagen und schaute meinem Hupen hinterher, als hätte ich in das Bild vom Sonntagnachmittag ein kleines Hupen hineingemalt und betrachtete nun das Ergebnis. Das Hupen hatte sich sehr geschmeidig über die geparkten Autos auf der Straße gelegt. Es glänzte im Vorgarten des Nachbarhauses. Es schimmerte auf den Treppen zum Nachbarshaus hinauf. Ich betrachtete wohlwollend mein Hupen in der Nachbarschaft. Plötzlich fiel mein Blick, nein besser gesagt er stolperte, zum Balkon unserer Nachbarn. Da stand die Nachbarstochter. Unsere Nachbarn hatten zwei Töchter und die eine stand jetzt am Balkon und blickte über die Straße. Es dürfte mein erster fremder Busen gewesen sein, den ich an diesem Nachmittag erblickt hatte. Ich kannte mich mit Busen sehr wenig aus. Sehr wenig ist eigentlich übertrieben. Ich hatte mich bis dahin noch nicht mit Busen auseinandergesetzt. In Bud-Spencer-Filmen ging es überhaupt nicht um Busen. Ich wusste, dass es Busen gab. Mutter hatte Busen, meine Großmutter und meine beiden Schwestern. Vielleicht war es kein gewöhnlicher Busen, den die Nachbarstochter dort auf dem Balkon hatte? Ich erholte mich von diesem Vorfall. Jahre später lernte ich Busen näher kennen. Ich musste auch nicht mehr hupen. Die Busen und das Hupen haben nach diesem Sonntagnachmittag eigentlich nie wieder in meinem Leben irgendetwas miteinander zu tun gehabt, wenn Sie das vielleicht interessiert. Ich will damit sagen, diese Geschichte hat mich nicht auf eine abwegige Lebensbahn geführt. |